Produziert unsere Gesellschaft Opfer?

Schauen wir einmal genau hin: immer mehr Menschen werden zum Opfer!

Wir alle lassen uns so viel gefallen, lassen uns herumschubsen und werden häufig Opfer von Mobbing und Schikanen.

Wir sind es gewohnt, vor fast jeder Handlung um Erlaubnis und Zustimmung zu fragen und verlieren mehr und mehr die Kompetenz, selbstbewusste Entscheidungen zu treffen. Wir fühlen uns häufig in unseren Entscheidungen überfordert, reagieren unsicher oder aggressiv. Viel zu oft bestimmen Ängste, Beklemmungen oder Befürchtungen unser Leben.

Wir fühlen uns machtlos, können keine eigenen Ziele mehr definieren und sind nur noch damit beschäftigt, befürchtete Unannehmlichkeiten zu vermeiden.

Wir scheinen zunehmend unsere Selbstbestimmtheit, unser Selbstbewusstsein und weit gehend auch die Fähigkeit zu einer individuellen Selbstdefinition zu verlieren.

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Das ist eine Beobachtung, die ich schon seit geraumer Zeit mache. Bei mir selbst, meinen Kindern, meiner Lebenspartnerin und in großen Teilen meines Bekanntenkreises.

Warum ist das so? Sicher ist es kein Zufall, sondern die Folge eines lang andauernden Prozesses der Beeinflussung, der Charakterprägung und der Verhaltensmanipulation.

Diese Entwicklung folgt einem klaren Trend, der auch in der gesamten Gesellschaft erkenntlich ist.

Unsicherheit und Unbehagen mit den Gegebenheiten des Alltags mehren sich. Depressive Erkrankungen und Angsterkrankungen greifen immer weiter um sich und es gibt Studien, die behaupten, dass bereits 35-40 % aller Deutschen unter Depressionen leiden oder schon einmal darunter gelitten haben.

Doch darüber hinaus gibt es noch weitere Hinweise darauf, dass Menschen ein gestörtes Selbstbild entwickeln und nicht länger über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügen.

Übergewicht, Magersucht, Nervosität, Konzentrationsmangel und Burn-Out sind in unserer Zeit deutlich zunehmende Symptome. Auch die Verwendung von Drogen, der Konsum von Alkohol und die Abhängigkeit von Medikamenten, speziell von Schmerzmitteln gehören in diesem Bereich.

Ein Gefühl von Einsamkeit und Isolation greift immer weiter um sich. Das zeigt sich auch an der zunehmende Zahl von Partnerbörsen im Internet, der steigenden Beliebtheit von Clubreisen oder der wachsenden Zahl von Selbstmorden, gerade an Feiertagen, die man früher traditionell mit der Familie verbrachte.

Diese vermeintliche Einsamkeit ist nichts anderes als die Folge einer Vereinzelung, die wir mit uns durchführen lassen. Solidarität und Zusammenhalt werden nicht mehr als wirkliche, realisierbare Werte unserer Gesellschaft empfunden, was übrigens ein Argument ist, dass besonders häufig von den Bürgern der ehemaligen DDR zu hören ist, da diese aus ihrer Erziehung heraus ein ganz anderes Empfinden für diese Werte haben.

Im Gegensatz dazu dominiert bei uns die Ansicht, dass Leben sei ein immer währender Existenzkampf und können nur im Wettbewerb, in der Konkurrenz zu anderen gelebt werden.

Die ständige Überbetonung von Leistungsdruck und der Notwendigkeit von Überlegenheit im Wettbewerb prägt nicht nur unsere Politik, sondern natürlich auch unser Privatleben, unsere Selbstwahrnehmung.

Immer mehr Menschen leiden auch in Ihrem ganz privaten Bereich unter dem auf sie durch die Medien ausgeübten Druck, die Ihnen das Bild vermitteln, immer jung, schön, gesund, wohlhabend, und erfolgreich sein zu müssen. Andernfalls werden Ihnen zur Abschreckung täglich die Randgruppen der Gesellschaft, Asoziale und Bedürftige vorgeführt, nicht umsonst haben diese Formate den Spitznamen Hartz IV-TV erhalten. Diese ständige Beeinflussung des Denkens hat natürlich ihre Folgen. Sie äußert sich besonders bezeichnend in dem Wahn, immer perfekt aussehen zu müssen. So führt geschwächtes Selbstbewusstsein und eine falsch gesteuerte Selbstwahrnehmung zur Verwendung von Botox, kosmetischen Operationen, zwanghaften Diäten, Bulimie und der massenhaften Verwendung von Gesundheits- und Schönheitsprodukten.

Äußere Ängste und vermeintliche Bedrohungssituationen, Werturteile und Verhaltensvorschriften die nicht mehr aus der Familie und der Tradition, sondern aus den Massenmedien kommen, verunsichern uns alle noch weiter.

Manchmal denke ich, dass die derzeitige Debatte über die Islamisierung zu weiten Teilen aus einem unbewussten Neid entsteht. Denn in den beobachteten muslimischen Familien spielt die Vermittlung von Werten und Traditionen durch die Eltern und die religiösen Erzieher noch eine wesentlich größere Rolle als bei uns.

Doch auch alle Ausländer, egal welcher Glaubensrichtung sie angehören, die in unserem Land leben, unterliegen dem gleichen Verlust von Werten und Sicherheit.

Wie kann es eigentlich passieren, dass die Menschen ihr Selbstbewusstsein nach und nach verlieren oder – wenn sie noch jung sind – gar nicht erst aufbauen?

Verdanken wir diese Entwicklung nur einem Zufall oder liegt ihr eine erzieherische oder möglicherweise sogar bösartig manipulative Absicht zu Grunde?

Und natürlich fragen wir uns: können wir uns diesem Prozess entziehen, uns vor dem Abbau des Selbstbewusstseins schützen oder es gar mit erfolgreichen Methoden wieder aufbauen?

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